- Perspektive - Fachbeitrag
IDC: Schlechte AV-Technologie gefährdet Ihre Return-to-Office-Strategie und Mitarbeiterzufriedenheit
Nach der Pandemie hat sich hybrides Arbeiten im Unternehmensumfeld von einer Notlösung zu einem festen Bestandteil moderner Arbeitsmodelle entwickelt. Laut IDC arbeiten zwei Drittel der Beschäftigten zumindest teilweise remote. Erfahren Sie, wie mangelhafte AV-Technologie Zusammenarbeit, Produktivität und Mitarbeiterbindung beeinträchtigt.
Nach Ergebnissen der aktuellen IDC-Studie „IDC 2025 Future of Work Survey“ arbeiten 67 Prozent der Fachkräfte zumindest teilweise remote (Quelle: IDC The Flexible Workplace: European Employee Experience Analysis, EMEA 2025, Mai 2025, #EUR152796625). Das zeigt deutlich, wie stark flexible Arbeitsmodelle inzwischen in Unternehmen verankert sind.
Aufgrund veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sowie Herausforderungen in Sachen Unternehmenskultur und Mitarbeiterengagement versuchen einige Unternehmen jedoch inzwischen, das Arbeiten von zu Hause wieder zurückzufahren – sei es durch mehr Präsenztage oder eine vollständige Rückkehr ins Büro.
Doch diese veränderten Arbeitsmodelle haben zunächst nicht überall Erfolg. Widerstand der Mitarbeitenden – erkennbar etwa an geringer Anwesenheit – bremst viele Initiativen, Beschäftigte wieder dauerhaft unter das Firmendach zu bringen.
Angesichts dieser Zurückhaltung sollten Unternehmen eines auf keinen Fall tun, wenn sie Mitarbeitende zurück ins Büro holen: ihnen dort eine negative Arbeitserfahrung bieten.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um zu wenig Kaffee oder um Platzmangel im Kühlschrank. Zu den schwerwiegendsten Frustrationsfaktoren im Büro zählen Probleme mit schlechter Collaboration-Technologie.
„Wir haben festgestellt, dass 96 Prozent der Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten haben, ihre Büroumgebungen an die hybride Arbeitsrealität anzupassen“, sagte Mick Heys, VP bei IDC, mit Blick auf die IDC WW Future of Work Survey, Juni 2024, EMEA. „Das größte Problem ist dabei ein menschliches. Direkt danach spielen laut unserer Studie technologische Herausforderungen eine entscheidende Rolle.“
Die IDC-Studie zeigt: Schwierigkeiten bei der Einrichtung von Meetings, schlechte Audioqualität während Besprechungen und insgesamt negative User Experience kosten Unternehmen mehr als nur Mitarbeiterzufriedenheit – sie können sogar dazu beitragen, dass Beschäftigte das Unternehmen verlassen.
Die Entwicklung der Prioritäten bei Workplace-Technologien
Der Fokus der Technologiebranche auf Workplace-Lösungen hat sich seit den veränderten Arbeitsmustern nach der Pandemie mehrfach gewandelt.
Viele Unternehmen führten zunächst grundlegende Videokonferenzfunktionen und Buchungssysteme ein, um den plötzlichen Anstieg an Remote-Teilnahmen in Meetings abzufangen. „Wenn wir drei Jahre zurückblicken, drehte sich alles darum, Meetingraum-Technologie zu installieren und buchbar zu machen. Man hatte nun Zugang zu dieser neuen Ausstattung und konnte den Raum dafür reservieren“, erklärte Heys.
Das war zunächst ausreichend, weil der Bedarf an Lösungen größer war als der Anspruch an deren Qualität. „Oft gehen Menschen in einen Besprechungsraum und verbringen bis zu fünf Minuten damit, die Technik zum Laufen zu bringen. Nach diesen fünf Minuten passiert meist eines von zwei Dingen: Entweder sitzen alle vor einem Laptop und führen den Call dort durch – wodurch Investitionen in Qualität, Sicherheit und alles Weitere praktisch ausgehebelt werden – oder sie rufen die IT“, so Heys.
Das nächste Problem zeigte sich in der tatsächlichen Nutzung dieser Räume. „Viele Menschen haben die Technik gebucht und sind dann gar nicht erschienen“, erklärte Heys. Daraufhin führten Unternehmen zunehmend ausgefeilte Systeme ein, um Nutzungsmuster von Besprechungsräumen vorherzusagen und die Effizienz zu verbessern.
Trotz dieser Maßnahmen blieben die grundlegenden Herausforderungen hybrider Arbeit jedoch ungelöst.
Die versteckten Kosten mangelhafter AV-Technologie
Die Forschung von IDC hat einen kritischen, aber oft übersehenen Aspekt hybrider Arbeit offengelegt: die schwerwiegenden Auswirkungen mangelhafter AV-Technologie auf Geschäftsergebnisse.
Die Folgen gehen weit über bloße Unannehmlichkeiten hinaus und betreffen alles – das Unternehmensimage, die Produktivität sowie das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und die Bindung von Talenten.„Schlechtes Audio hat beispielsweise in Meetings mit Teilnehmenden vor Ort und remote erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse“, erklärte Heys.
„Es gibt eine Studie von Newman und Schwartz(1), die zeigt, dass Audioqualität direkt mit der wahrgenommenen Vertrauenswürdigkeit zusammenhängt. Klingt also ein Vertriebsteam in einem Pitch-Meeting schlecht, wirkt es sofort weniger vertrauenswürdig“, so Heys.
Eine weitere Studie der Yale University aus dem Jahr 2025 bestätigte diese Erkenntnis und zeigte, dass schlechte Audioqualität sogar dazu führen kann, dass Sprechende als weniger intelligent wahrgenommen werden – unabhängig vom eigentlichen Inhalt. Gerade für Teams mit direktem Kundenkontakt kann dieses Wahrnehmungsproblem spürbare geschäftliche Folgen haben.
Darüber hinaus erläuterte Heys, wie eine Forschung aus Japan gezeigt hat, dass schlechte Audioqualität messbare körperliche Stressreaktionen bei Mitarbeitenden auslöst. „Dabei zeigte sich: Ja, schlechtes Audio verursacht Stress durch kognitive Dissonanz – und dieser Effekt ist kumulativ“, sagte Heys.
Doch damit nicht genug – hinzu kommen erhebliche Auswirkungen auf den zunehmenden Einsatz von KI-Tools am Arbeitsplatz. „Ich war in einem Meeting und musste meinen Kollegen Nathan vorstellen. Es war eines dieser Meetings mit Live-Transkription, die seitlich mitläuft. Ich sagte also: Das ist Nathan, er ist Mitglied unseres Consulting-Teams. In der Transkription stand jedoch: Das ist Nathan. Er ist Mitglied unseres beleidigenden Teams“, berichtete Heys.
Solche Transkriptionsfehler können die Wirksamkeit von KI-Tools untergraben, die zunehmend auf präzise Meetingdaten angewiesen sind. „Wenn die Audioqualität nicht stimmt, hat das Auswirkungen auf das Ergebnis des Meetings. Und ganz sicher auch auf jede Form KI-gestützter Unterstützung“, so Heys.
Unternehmen, die stark in KI-Funktionen investieren, könnten deren Wirksamkeit unbewusst beeinträchtigen, wenn sie in grundlegende Audio- und Videotechnologie zu wenig investieren.
„Wenn man also den zusätzlichen Stress, Produktivitätsverluste und mögliche Missverständnisse bei der Meetingdokumentation berücksichtigt, wirkt der Kauf der billigsten Ausstattung plötzlich deutlich weniger attraktiv.“
Der Business Case für optimierte Arbeitsumgebungen
Die aktuelle IDC-Forschung liefert überzeugende Argumente für Investitionen in hochwertige hybride Arbeitsumgebungen.
Ein zentrales Thema ist die Mitarbeiterbindung. Indirekte Kosten, die durch das Ausscheiden von Mitarbeitenden entstehen – etwa Wissensverlust, mehr Fehler und sinkende Moral – machen Schätzungen zufolge rund zwei Drittel der gesamten Fluktuationskosten aus.
Die IDC-Studie 2025 lieferte dabei bemerkenswerte Zahlen: „Von denjenigen, die derzeit nicht nach einem neuen Job suchen, tun das 39 Prozent wegen ungünstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nicht. Wenn sich die Wirtschaftslage verbessert, werden sich mehr Menschen nach einer anderen Stelle umsehen“, sagte Heys.
Die Forschungsmethodik untersuchte Mitarbeiterzufriedenheit und Engagement, indem das Jobsuchverhalten erfasst und mit Arbeitsplatzfaktoren in Beziehung gesetzt wurde. „Wir haben zunächst ermittelt, ob Mitarbeitende aktiv nach einem Job suchen, und dann die Bereiche verglichen, die sie als Gründe für ihre Unzufriedenheit genannt haben“, erklärte Heys. Die Ergebnisse zeigten, dass Mitarbeitende auf Jobsuche durchgängig eine höhere Unzufriedenheit mit ihrem Arbeitsumfeld angaben.
„Zum Beispiel nannten 40 Prozent der Jobsuchenden die fehlende Möglichkeit, einen Bereich für konzentriertes Arbeiten zu finden, als Grund für ihre Unzufriedenheit – im Vergleich zu 36 Prozent derjenigen, die keine neue Stelle suchten“, erklärte Heys. Dieses Muster zeigte sich über mehrere Arbeitsplatzfaktoren hinweg.
Noch besorgniserregender für Arbeitgeber ist die Entwicklung beim Jobsuchverhalten. „2023 suchten im Durchschnitt 22 Prozent der Beschäftigten – und wir sprechen hier von Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeitern im Büro – nach einer anderen Stelle. Im vergangenen Jahr waren es 25 Prozent. In diesem Jahr sind es 27 Prozent“, berichtete Heys.
Der wirtschaftliche Faktor könnte derzeit das Einzige sein, was eine noch größere Kündigungswelle aufhält. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Faktoren des Arbeitsumfelds in diesen Entscheidungen immer wichtiger werden.
„Die Suche nach einer besseren Unternehmenskultur nimmt zu – von 29 Prozent auf 31 Prozent innerhalb eines Jahres“, so Heys. „Die Branche hat inzwischen erkannt, dass der Arbeitsplatz eine wichtige Rolle bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden spielt.“
Auch wenn es auf den ersten Blick wie eine Sammlung einzelner Kennzahlen wirkt, ergibt sich laut Heys in der Gesamtschau ein klares Bild des Problems: „Ein Büro alter Schule führt in unserer modernen hybriden Arbeitswelt dazu, dass mehr Menschen gehen. Das können wir derzeit belegen. Bezieht man dann noch die Kosten für die Rekrutierung neuer Mitarbeitender mit ein, ergeben sich belastbare Modelle“, sagte er.
Mit Technologie inklusive hybride Erlebnisse schaffen
Die Zukunft erfolgreicher Arbeitsumgebungen liegt darin, wirklich inklusive Erlebnisse zu schaffen, die Barrieren zwischen Teilnehmenden im Büro und remote arbeitenden Personen abbauen.
Dafür ist ein grundlegendes Umdenken bei Meetingraum-Technologie erforderlich – insbesondere in Bezug auf Audioqualität und Benutzerfreundlichkeit.
„Es sind nicht immer die Personen, die sich remote zuschalten“, betonte Heys. „Manchmal sitzen sechs Personen vor Ort im Raum und zwei weitere sind zugeschaltet. Ohne ein hochwertiges System lässt sich dann nicht immer jede Stimme im Raum gleich gut hören.“
Diese Asymmetrie im Meetingerlebnis führt zu Frustration und erschwert die Zusammenarbeit. Hinzu kommt, dass technologische Herausforderungen über die Audioqualität hinausgehen und oft schon bei der grundlegenden Bedienbarkeit beginnen. Zu häufig sind die physischen Geräte in Besprechungsräumen – von Bedienpanels mit zu vielen Tasten bis hin zu nicht optimal aufeinander abgestimmter AV-Hardware – alles andere als intuitiv. Nutzerinnen und Nutzer kämpfen sich dann durch komplexe Setups, statt Meetings mit einer einzigen, einfachen Aktion zu starten.
Unternehmen, die wirklich inklusive hybride Umgebungen schaffen möchten, müssen in ihren Technologielösungen sowohl Audioqualität als auch Benutzerfreundlichkeit priorisieren.
„Ich denke, das ist eines dieser Themen, bei denen es auch finanziell klug ist, das Richtige zu tun“, schloss Heys. „Wenn Sie das Wohlbefinden der Menschen in den Mittelpunkt stellen, präsentieren Sie Ihr Unternehmen von seiner besten Seite, senken die Fluktuation und steigern die Produktivität – und vieles mehr.“
Unternehmen, die die entscheidende Rolle von AV-Technologie für inklusive, produktive und überzeugende Arbeitsumgebungen erkennen, verschaffen sich einen deutlichen Wettbewerbsvorteil – bei der Gewinnung und Bindung von Top-Talenten ebenso wie bei der erfolgreichen Rückkehr ihrer Mitarbeitenden ins Büro.
Da Workplace-Technologie nicht nur eine operative Notwendigkeit, sondern eine strategische Investition in den Unternehmenserfolg ist, sind Organisationen, die auf die durchdachte Einführung und Integration von AV-Technologie setzen, am besten positioniert, um in der sich wandelnden Arbeitswelt erfolgreich zu sein.
Shure, das die IDC-Forschung in diesem Bereich unterstützt hat, hilft Unternehmen dabei, diesen Schritt zu gehen, Besprechungsräume für hybrides Arbeiten zu optimieren und das Erlebnis für Mitarbeitende nachhaltig zu verbessern.
Mehr erfahren Sie unter www.shure.com/collaboration.
Dieser Artikel wurde von Kristian McCann verfasst und ursprünglich auf UC Today veröffentlicht. Sie können ihn hier aufrufen.
Referenzen
Good Sound, Good Research: How Audio Quality Influences Perceptions of the Research and Researcher, Science Communication, 2018, Vol. 40(2), 246–257, Eryn J. Newman und Norbert Schwarz
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